Als bester europäischer Film geht „Das weiße Band“ dieses Jahr in das Rennen um den Oskar. Die Goldenen Palme hat der Film im vergangenen Jahr in Cannes bereits gewinnen können, und auch bei den diesjährigen Oskarverleihungen gilt er in seiner Kategorie als Favorit. Dabei ist es wahrlich keine leichte Kost, die der österreichische Regisseur Michael Haneke hier präsentiert:
1913, in dem kleinen, äußerlich beschaulichen, ja fast langweiligen Dorf Eichwald in Mecklenburg, stolpert das Pferd des Dorfarztes über ein zwischen Bäumen gespanntes Drahtseil im vollen Galopp. Der schwer verletzte Arzt muss für einige Monate ins Krankenhaus. Dann reihen sich immer neue, mysteriöse und brutale Vorfälle aneinander: eine Bäuerin verunglückt tödlich, der Sohn des Barons wird verprügelt, ein behindertes Kind wird misshandelt, und ein undurchsichtiger Selbstmord geschieht. Wie ‚zufällig‘ hielten sich jedoch immer Kinder in der Nähe der Tatorte auf… Diese Ereignisse verfolgt der Zuschauer aus der Perspektive des Dorfschullehrers, der das Vorgefallene als "beiläufige Erinnerungen, die ein erhellendes Licht auf manche Vorfälle in diesem Land werfen" Revue passieren lässt. Denn im Jahr 1913 liegt der 1. Weltkrieg bereits spürbar in der Luft. Und etwas Weiteres prägt die Atmosphäre: gesellschaftlich akzeptierte Gewalt, autoritären Strukturen, Hierarchien und festgefügte Ordnungen, in denen die Gewalt zementiert ist, Männer, die Brutalität ausüben und Frauen die fliehen, wenn sie können, Kinder, die der Willkür ihrer Eltern ausgeliefert sind. Der Dorfpfarrer, der seinen Sohn und seine Tochter öffentlich züchtigt und sie ein Jahr lang zwingt ein „weißes Band“ zu tragen, damit sie sich an ihre Reinheit und Unschuld erinnern sollen, der angesehene Dorfarzt , der sich regelmäßig an der eigenen Tochter vergeht – zwei der ‚moralischen Instanzen‘ in Eichwald.
Das Weiße Band
| Kein | Wenig | Mittel | Stark | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Anspruch |
|
|
|
|
Qualität
|
| Humor/Unterhaltung |
|
|
|
|
|
| Familienfreundlichkeit |
|
|
|
|
|
| verunglimpfende Sprache |
|
|
|
|
|
| Action/Gewalt |
|
|
|
|
|
| Erotik (Sex/Nacktszenen) |
|
|
|
|
|
Inhalt
Zusammen-
fassung
In klaren schwarz-weißen Bildern zeichnet Autor und Regisseur Michael Haneke ein strenges Sittengemälde der damaligen Gesellschaft, in der Männer regieren, die keine Widerrede dulden. In diesem zutiefst bigotten Wertesystem wächst eine Kindergeneration heran, die zwanzig Jahre später das Naziregime ermöglichen wird. Haneke zeigt hier durch eine stetige Atmosphäre von Gewalt und Distanz, von Autorität und Macht wie der Nährboden für dieses Volk entsteht, das bedingungslos an Autoritäten glaubt und doch voller Hass ist.
"Das weiße Band" will keine Antworten geben, es ist ein Film über eine Stimmung, über das Wesen der Menschen zu einer ganz bestimmten Zeit, die gewisse geschichtliche Entwicklungen erst ermöglichte. Die mysteriösen Vorfälle, die sich im Dorf zutragen, werden nicht aufgelöst. Ein Einordnen – sowohl was das Moralische angeht als auch das Historische – verweigert der Regisseur seinem Publikum. Es muss sich selbst mit den Geschehnissen auseinandersetzen. „Das weiße Band“ ist ein subtiler Film, der Thesen und Theorien zu einer zeitgeschichtlichen Entwicklung in den Raum stellt. Jeder Zuschauer muss für sich selbst entscheiden, ob er dieser Darstellung recht geben mag.
"Das weiße Band" will keine Antworten geben, es ist ein Film über eine Stimmung, über das Wesen der Menschen zu einer ganz bestimmten Zeit, die gewisse geschichtliche Entwicklungen erst ermöglichte. Die mysteriösen Vorfälle, die sich im Dorf zutragen, werden nicht aufgelöst. Ein Einordnen – sowohl was das Moralische angeht als auch das Historische – verweigert der Regisseur seinem Publikum. Es muss sich selbst mit den Geschehnissen auseinandersetzen. „Das weiße Band“ ist ein subtiler Film, der Thesen und Theorien zu einer zeitgeschichtlichen Entwicklung in den Raum stellt. Jeder Zuschauer muss für sich selbst entscheiden, ob er dieser Darstellung recht geben mag.
Rezension
Beklemmend, aber gleichzeitig mit einer Art faszinierendem, horrorartigen Sog entfaltet sich dieser Episodenfilm, der sicherlich keine leichte Kost bietet und noch lange nachwirkt bzw. ernsthaften Diskussionsstoff bietet. Für Teenager ab 14, die sich mit einer Interpretation der deutschen Geschichte auseinandersetzen wollen, kann „Das weiße Band“ sicherlich Ansätze bieten, auch, wenn er für jüngere Zuschauer recht schwer zu verdauen sein wird. Die Altersfreigabe von 12 ist in diesem Fall – trotz der hochwertigen Thematik – aufgrund der Brutalität und vor allem körperlichen und seelischen Gewalt an Kindern, sicherlich zu niedrig angesetzt. Generell empfiehlt es sich, Jugendliche mit diesem Film nicht ‚alleine lassen‘ sondern anschließend das Gesehene im Gespräch weiter zu bearbeiten.